Tuesday, September 6, 2016

DE 0030 Frege und Hintikka

# DE 0030 FREGE UND HINTIKKA

Ich habe versprochen hier laut darüber nachzudenken, was Jaakko Hintikka zur Logik Freges zu sagen hat. Das ist natürlich ein sehr weites Thema und für mich sehr kompliziert. Ich persönlich kenne und schätze Hintikka hauptsächlich als Kommentator der Philosophie (bzw. Logik) Freges und Wittgensteins. Aber für sein Verhältnis zu Frege und seiner Lehre sind Hintikkas eigene Entwicklungen in Sprachphilosophie und Logik und auf anderen Gebieten wesentlich, und darüber weiß ich so gut wie gar nichts. Wir werden also versuchen müssen das jedenfalls zum Teil zusammen zu entdecken.

Hintikka hat unter anderem ein Interesse daran eine Logik (oder die Logik) der Sprache zu entwickeln, die zumindest einige Unzulänglichkeiten der mit Berufung auf Frege oder in der Folge Freges entwickelten Quantorenlogik in Bezug auf wirkliche sprachliche Situationen überwindet. Zu berücksichtigen ist dabei, dass Frege nicht die Absicht hatte die Logik der Sprache zu entwickeln, sondern den Entwurf seiner Gedankensprache wenigstens zunächst spezifisch auf die Grundlegung der Arithmetik beschränken wollte. Ein anderer wichtiger Aspekt der Frage bezieht sich auf die Feststellung, dass die späteren Entwicklungen der Logik, zumal im Anschluss an Tarski, sich auf semantische Wahrheitstheorien stützen, die Frege absolut fremd waren. Natürlich ist Hintikka sich dieses Unterschieds vollkommen bewusst. Aber wenn er Frege unter dem Aspekt seiner eigenen Vorschläge diskutiert, ist nicht immer klar, habe ich den Eindruck, dass er diesen Unterschied selber scharf zieht.

Wir werden also hier zunächst hauptsächlich versuchen festzustellen, wie weit sich, was Hintikka als Unterschied seiner Vorschläge zu denen der traditionellen Logik seit Frege darstellt, tatsächlich auf den historischen Frege bezieht, oder vielmehr auf Auffassungen der Logik die sich in wesentlichen Punkten von den Lehren des Meisters aus Wismar unterscheiden. Das ist nicht nur aus Gründen der historischen Gerechtigkeit wichtig, sondern mag vielleicht auch ein Potential in dem Ansatz Freges aufzeigen, das Frege selber gar nicht genützt hat, und das deshalb auch ein neues Licht auf spätere Entwicklungen werfen kann.